Das HTC Vivid im Test
Ende letzten Monats brachte AT&T in den USA die ersten beiden Smartphones heraus, die mit dem brandneuen 4G-Netzwerk des Unternehmens kompatibel sind (nicht zu verwechseln mit dem alten 4G-Netzwerk). Zunächst war da das Samsung Galaxy S II Skyrocket, das abgesehen von einem zusätzlichen LTE-Radio identisch mit dem Galaxy S II von T-Mobile ist. Das andere Gerät war ein brandneues Smartphone von HTC namens “Vivid.” Das Gehäuse besteht aus unterschiedlichen Materialien und die Form ist anders als die aller anderen Mobiltelefone des Herstellers. Sind das einzigartige Design, beeindruckende Daten und 4G LTE-Kompatibilität ausreichend, um es ernsthaft in Betracht zu ziehen? Meine vollständige Rezension finden Sie nach dem Klick.
Innen
Wie jedes hochwertige Smartphone, das dieser Tage veröffentlicht wird, ist das Vivid bis zum Rand mit neuester Technologie angefüllt. Im Herzen des Geräts befindet sich ein 1,2 GHz Snapdragon-Prozessor von Qualcomm, der Android 2.3.4 und HTC Sense 3.0 zum Laufen bringt. Das Vivid verfügt über 1 GB RAM, 16 GB internen Speicher, microSDHC bis 32 GB, 1620 mAh Akku sowie diverse Extras.
Wichtiger als die Daten ist natürlich die Leistung des Geräts, und hier liefert das Vivid ab. Gingerbread läuft auf dem Vivid so rund, wie ich es noch nie gesehen habe. Die Sense-Oberfläche von HTC ist hinsichtlich Animationen ziemlich klobig, aber auch hiermit kommt das Vivid spielend zurecht. Multitasking schafft das Mobiltelefon mit links und ich hatte wirklich Schwierigkeiten, das Gerät ins Stocken zu bringen. Das Vivid läuft so rund wie kaum ein anderes Android-Smartphone, das ich bislang verwendet habe.
Man kombiniere die Leistung des Vivid mit gutgemachten Apps und man erhält eines der benutzerfreundlichsten Smartphones der Welt. Im Android Market wimmelt es nur so vor Müll, wie in allen App Stores, aber die wenigen brauchbaren Apps machen mit dem Vivid um so mehr Spaß. Ein Beispiel ist Seesmic.
Ich bin kein großer Fan von Seesmic auf meinem iPhone, aber ich bin ein großer Fan der Android-App. Sie ist gut konstruiert und ist auf den meisten Android-Smartphones einer der schnellsten Twitter-Clients. Auf dem Vivid ist Seesmic blitzschnell. Normalerweise ist Android nicht die schnellste Plattform, aber die schnellsten iOS-Twitter-Apps, die ich getestet habe, erscheinen gegenüber Seesmic auf dem Vivid langsam. Und vergessen Sie Windows Phone. Das Betriebssystem an sich läuft reibungslos, aber wenn Apps neue Daten laden, dauert es ewig. Wie gesagt, Seesmic ist nur ein Beispiel. Alle gut gemachten Apps erscheinen auf dem HTC Vivid noch viel schneller.
Im Innenleben des Vivid befindet sich zudem eine 8 Megapixel Kamera mit Autofokus, doppeltem LED-Blitz und f/2.2 Blende und 28mm Weitwinkel. Die Videoaufnahme ist mit 1080p in Full HD möglich und dank HDMI-Ausgang und integriertem DLNA-Support sind die Videoclips auf diesem Smartphone viel leichter zugänglich als auf anderen Smartphones. Somit können Videoinhalte drahtlos auf kompatible Fernsehgeräte und andere Geräte übertragen werden.
Das Smartphone unterstützt die 4G-Netzwerke von AT&T. Ja, 4G-Netzwerke Plural, und zwar wird einmal das neue 4G-Netzwerk basierend auf LTE-Technologie unterstützt als auch das vorige 4G-Netzwerk des Unternehmens, basierend auf der HSPA+-Technologie.
Außen
Das HTC Vivid ist ein sehr solides Smartphone. Nicht ganz so wie andere Smartphones des Anbieters, wie das Titan und das Legend, aber es ist ohne Frage ein robustes Gerät. Die Vorderseite dieses Touch-Smartphones besteht komplett aus Glas und dieses hat schmierigen Fingern nur wenig entgegenzusetzen. Das ist ärgerlich. Es gibt heutzutage keine Entschuldigung dafür, auf eine spezielle schmutzabweisende Beschichtung zu verzichten. Vor allem bei einem Gerät, das ab 200 US-Dollar (umgerechnet ca. 150 Euro) aufwärts mit Vertrag kostet.
Das Vivid ist an den Seiten mit breitem Plastik eingefasst, das sich auf die Rückseite des Geräts hinzieht und sich zur Mitte der Rückseite hin leicht absenkt. Oben am Gerät befinden sich die Taste zum Sperren und ein 3,5 Millimeter Kopfhörerausgang. Unten am Gerät findet man ein einsames Mikrofon. Rechts am Gerät ist ein Lautstärkeregler aus Plastik im Chrome-Look angebracht, links der microUSB-Port. Unterhalb des Plastiks befindet sich an der Rückseite des Geräts eine Metallabdeckung für Batterie, SIM-Kartenslot und ein microSD-Kartenslot. Das Kameraobjektiv und der doppelte LED-Blitz sind oberhalb der Metallabdeckung angebracht und darüber eine kleine Öffnung für den Lautsprecher.
HTC hat dem Vivid ein großartiges Display spendiert. Das 4,5 Zoll super LCD-Display bietet eine qHD-Auflösung, 540 x 960 Pixel und stellt Farben sehr gut dar. Wenn man besonders pingelig ist, könnte man sagen, dass einige Kanten auf dem Display des Vivid gezackt erscheinen, was an dem PenTile-Technik liegt, aber mich persönlich hat das nicht gestört. Abbildungen sind scharf, Farben sind klar und das Display ist sehr hell.
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass HTC es geschafft hat, das HTC nicht zu groß zu gestalten, trotz des großen Displays. Mit seinen 4,5 Zoll ist es eines der größten Smartphones auf dem Markt und doch ist es insgesamt nicht ganz so groß wie das Samsung Galaxy S II oder das HTC Titan. Wenn ich das Gerät in einer Hand halte, kann ich fast alle Ecken des Displays und alle vier kapazitive Android-Tasten erreichen, ohne mich komplett verbiegen zu müssen. Fast.
Positiv
Die HTC Sense-Oberfläche löst selten große Begeisterung aus, aber ich bin noch immer ein großer Fan von Sense. Sie ist mein Favorit unter den Android-Oberflächen, auch wenn sie immer komplexer wird. Ich trage fast immer ein Android-Smartphone mit mir herum und fast wöchentlich wechsle ich die Geräte. Jedes Mal, wenn ich ein Gerät zum Testen bekomme, das mit der Sense-Oberfläche ausgestattet ist und ich es konfiguriere, finde ich neue Einstellungen, Widgets oder andere Funktionen, die ich zuvor nicht kannte. Einerseits macht das die HTC Sense-Geräte extrem anpassbar, aber das bringt eine Fülle an Möglichkeiten mit sich, die vielleicht ansprechend für einige Nutzer ist, aber überwältigend für viele andere. Und die Mehrheit der Nutzer wird wohl nie alle Möglichkeiten ausschöpfen, die Sense bietet.
Die Übergangs-Animationen, 3D-Effekte und andere visuelle Elemente in Sense sind großartig. Es gibt dutzende wunderbare und funktionale Home Screen-Widgets aus denen man auswählen kann und man kann sie über sieben Home Screens verteilen. Sieben Home Screens ist natürlich etwas exzessiv, aber wenn man von einem dieser Home Screens die Home-Taste drückt, landet man bei dem mittleren Home Screen. Drückt man die Taste, während man sich auf dem mittleren Home Screen befindet, werden Thumbnails aller sieben anzeigt und tippt man einen dieser sieben an, gelangt man zu eben diesem Home Screen.
Mir gefallen auch die Apps im Look der Sense-Oberfläche. Vor allem die E-Mail-App auf HTC Sense-Geräten hat mir schon immer gut gefallen. HTC hat weit mehr als nur grafische Elemente eingefügt, man kann sich sofort ungelesene Nachrichten oder markierte Nachrichten anzeigen lassen und mit dem Regler unten am Display gibt es noch viele weitere Auswahlmöglichkeiten. Hier wird Produktivität großgeschrieben und im Vergleich mit dem Windows Phone E-Mail-Lösung ist die von HTC mein Favorit.
Ein weiterer Pluspunkt des Vivid ist die Kamera. Wir wollen die Vergangenheit ruhen lassen, aber mit den Kameras hatte HTC in der Vergangenheit kein gutes Händchen bewiesen. Dies hat sich nun geändert. Die letzten Smartphones von HTC, die BGR getestet hat, waren alle mit fantastischen Kameras ausgestattet, die sich mit den Nokias und Apples dieser Welt messen können. Das Vivid ist hier keine Ausnahme. Bei guten Lichtverhältnissen macht die Kamera beeindruckende Aufnahmen, bei schlechteren Lichtverhältnissen ließ die Qualität der Aufnahmen allerdings ein wenig zu wünschen übrig. Ich bin mir nicht sicher, ob dies an der Software liegt, aber bei schwachen Lichtverhältnissen wurden die Aufnahmen extrem körnig.
Telefongespräche mit dem Vivid klangen kristallklar. Alles in allem ist das Vivid eines der schnellsten Smartphones, und ich habe schon so einige getestet. Sogar das Scrollen in Apps, was mit anderen Smartphones oft schrecklich ist, funktioniert hier fast immer reibungslos. Ich kann es nicht genug betonen: genau so sollte Android auf einem Smartphone laufen.
Negativ
Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Das kommt dem HTC Vivid zu Gute, denn das Aussehen dieses Geräts gefällt mir überhaupt nicht. Die Vorderseite ist ok, es sieht aus wie die meisten Smartphones mit vollständigem Touchscreen. Die Rückseite gefällt mir jedoch gar nicht und ich konnte mich an dieses Design auch nicht gewöhnen.
Der Großteil des Gehäuses dieses Smartphones besteht aus glänzendem Plastik und dafür kann ich mich überhaupt nicht begeistern. Es zieht Schmierflecken und Staub noch stärker an als das Glas-Display, und das will schon etwas heißen. Das Vivid ist das reinste Staubtuch. Sie können es auf den Bildern selbst erkennen. Ich wasche mir ständig die Hände und desinfiziere sie noch häufiger, entsprechend sind meine Hände extrem trocken – und doch war das Vivid nach nur wenigen Minuten übersät von Fingerabdrücken, Staub und Schmutz. Das ist sehr unschön.
Das Plastik fühlt sich ziemlich billig an. Es ist nicht so leicht und dünn wie das Plastik bei vielen anderen Samsung-Smartphones, aber es reicht definitiv nicht an den Standard heran, den HTC mit Geräten wie dem Titan mit dem Aluminium-Gehäuse gesetzt hat oder auch den Soft-Touch-Materialien, die bei vielen anderen Geräten des Herstellers zum Einsatz kommen. Dieses Plastik ist auch extrem glatt, was mir einige Male fast zum Verhängnis wurde. Es fühlt sich fast wie ein Spielzeug an, und nicht wie ein hochwertiges Smartphone, wäre da nicht das Gewicht.
Das erste, was mir bei diesem Smartphone aufgefallen ist, war – abgesehen von dem Erscheinungsbild – das Gewicht. Das große Galaxy S II (die Version von T-Mobile) wiegt 136 Gramm, das iPhone aus Metall und Glas wiegt 139 Gramm und das massive HTC Titan, mit seinem 4,7 Zoll Display und Aluminiumgehäuse 159 Gramm. Obwohl das Vivid kleiner und schmaler als das Titan ist, wiegt es ganze 177 Gramm. Ich kann mich an kein Smartphone der letzten Zeit erinnern, das schwerer ist als das Vivid. Ich finde, dass ein Smartphone ein gewisses Gewicht haben sollte, aber das Vivid treibt es für meinen Geschmack doch etwas zu weit.
Die Akkulaufzeit des Vivid ist nicht sonderlich beeindruckend. Kürzere Akkulaufzeiten scheinen der neue Trend zu sein, und das obligatorische “die Akkulaufzeit beträgt bei moderater Nutzung einen Tag” heißt heute nicht mehr viel, da mehr und mehr Smartphones mit 4G-Radios und gigantischen Displays ausgestattet sind. Das Vivid ist nicht das schlechteste Smartphone, das ich in letzter Zeit getestet habe, aber man sollte sich darauf einstellen, dass es mehr als einen Ladevorgang innerhalb von 24 Stunden benötigt. Auch im Ruhezustand scheint das Gerät schneller zu entladen als die meisten anderen Smartphones, daher sollten sich auf alle Fälle ein zusätzliches Ladegerät und vielleicht sogar eines fürs Auto zulegen, wenn sie sich für das Vivid entscheidet.
Fazit
Wenn mich das Aussehen des Vivid nicht so sehr stören würde, könnte ich mir dieses Gerät als eines vorstellen, das ich regelmäßig verwende. Mit diesem Design kommt es für mich leider nicht in Frage.
Das HTC Vivid ist ein beeindruckendes modernes Smartphone, das hinsichtlich seiner Leistung mit allen anderen Android-Smartphones, die ich verwendet habe, gleichzieht oder sie sogar übertrifft. Es ist schnell und leistungsfähig und die HTC Sense Oberfläche vereint alles in einem großartigen Paket. Die Akkulaufzeit ist ein wunder Punkt, aber um die Akkulaufzeit steht es dieser Tage bei vielen Smartphones nicht allzu gut. Man könnte vielleicht einen Tag lang mit einem Ladevorgang hinkommen, bei mir hat allerdings nicht geklappt.
Da ich in Manhattan arbeite und etwas außerhalb der Stadt wohne, konnte ich das Vivid nicht mit dem neuen LTE-Netzwerk von AT&T testen. Mit HSPA+ konnte ich Geschwindigkeiten zwischen 2 Mbps und 3 Mbps für Downloads und 1 Mbps für Uploads beobachten. Das Vivid wird über das 4G-Netzwerk von AT&T keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellen, aber es ist für die meisten Nutzer sicher schnell genug. Bezüglich der Akkulaufzeit sei noch gesagt, dass HTC keine Möglichkeit vorsieht, LTE zu deaktivieren. Angebote von Drittanbietern sind derzeit nicht mit dem Vivid kompatibel, aber sobald dies der Fall ist, kann man durch das Deaktivieren von LTE (sofern die Geschwindigkeit nicht unbedingt notwendig ist) die Akkulaufzeit sicherlich etwas verbessern.
Bevor Sie sich für ein anderes Smartphone entscheiden, sollten Sie sich das HTC Vivid auf alle Fälle einmal ansehen. Das Design hat mich persönlich nicht überzeugt, aber das ja eine individuelle Frage. Wem das Vivid gefällt, der hat mit diesem Smartphone ein zukunftsfähiges 4G-Smartphone, das sich mit allen anderen Android-Smartphones messen kann.
Das HTC Vivid von AT&T ist online ab sofort ab 199,99 US-Dollar (umgerechnet ca. 148 Euro) erhältlich.




















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