Test: Das Nokia Lumia 800
Einst hatte Nokia einen großen Anteil am US-Smartphone-Markt. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich meinen Mitschülern meinen Highscore bei Snake nicht mitteilen konnte, denn ich hatte ein Motorola-Handy. Ich schien der Einzige zu sein, der kein Nokia-Handy hatte und als ich ins College wechselte, bekam ich das Nokia 6010. Das farbige Display und die austauschbaren Cover faszinierten mich und ich behielt das Handy die gesamten vier Jahre über, die ich aufs College ging und es war viel robuster als das Motorola RAZR, das alle meine Freunde nun besaßen. 2007 wurde das iPhone angekündigt und Nokia verschwand scheinbar über Nacht. Sicherlich, es gab hier und da einige aufklappbare Modelle von Verizon Wireless und eine Handvoll Symbian-Geräte von AT&T und T-Mobile aber keines dieser Geräte konnte Nokia wieder ins Rampenlicht rücken. Das Lumia 800 tut dies. Es ist nicht nur ein Mobiltelefon, es symbolisiert die Anstrengung von Nokia, mit einem einzigartigen und neuartigen Portfolio wieder im globalen Handy-Geschäft mitzumischen. Es ist noch nicht in den USA erhältlich, aber bis Anfang nächsten Jahres wird es sicherlich eine Variante des Geräts auf den US-Markt schaffen. Bringt das Lumia 800 wirklich etwas Neues? Ist es das beste Windows Phone? Sind Hardware und Software so gut aufeinander abgestimmt, dass die Konkurrenz vor Neid erblasst? Meine vollständige Rezension folgt nach dem Klick.
Hardware
Seit dem Galaxy S II war ich nicht mehr so gespannt darauf, ein Gerät für eine Rezension zu erhalten, wie jetzt bei dem Nokia Lumia 800. Um das Nokia Lumia wurde auf der Nokia World ein großer Wirbel veranstaltet, es ist Nokias Windows Phone-Flaggschiff für 2011 und wir waren schon in unserem Angefasst-Test von dem Gerät begeistert. Heimlich hoffte ich auf ein Exemplar in der Farbe Cyan, es wurde dann allerdings ein mattes Schwarz.
Das Lumia 800 sieht wie auch das N9 großartig aus und liegt schwer und solide in der Hand. Mir gefällt das konturierte Display. Es sieht fast wie gegossen aus, mit einer geschwungenen Oberfläche. Das ClearBlack AMOLED-Display ist klar und farbintensiv. Seite an Seite mit dem Samsung Focus Flash wurden Farben auf dem Super AMOLED-Display von Samsung allerdings kräftiger dargestellt und auch die Weißtöne erschienen auf diesem weißer.
Die Tasten rechts für Lautstärke, Ein-/Aus und Kamera scheinen aus Plastik im Chrom-Look zu bestehen. Die weiche Oberfläche gefällt mir gut aber ansonsten ist die Rückseite des Geräts etwas langweilig und beherbergt auch lediglich die 8 Megapixel Kamera. Um die Kamera herum ist ein rundes Metallteil angebracht, das das Objektiv als Carl Zeiss ausweist. Für meinen Geschmack sollte die Rückseite etwas mehr Struktur haben, mehr Akzente oder irgendetwas, das deutlich macht, dass es sich hier um ein Nokia-Flaggschiff handelt. Zudem zieht die Rückseite Fingerabdrücke geradezu magisch an und mein Lumia 800 sah oft ziemlich schmutzig aus.
Nokia hat eine Plastik-Abdeckung über dem microUSB-Port und eine zweite über dem microSIM-Kartenslot angebracht. Man muss den microUSB-Port öffnen, um Zugang zum microSIM-Kartenslot zu bekommen und wenn man den microSIM-Kartenslot vor dem microUSB-Port schließt, verhaken sich die beiden und man muss sie mit einer Büroklammer wieder öffnen. Ich finde es begrüßenswert, dass die Abdeckungen die hässlichen Anschlüsse verdecken, aber auch etwas umständlich, wenn man sein Gerät regelmäßig zum Laden oder zum Übertragen von Daten an einen Computer anschließt.
Üblicherweise habe ich alle meine Videos und Fotos auf einer microSD-Karte, die ich von Gerät zu Gerät verwende. Die meisten der neuen Windows Phone 7.5-Geräte haben keinen microSD-Port und das ist frustrierend. Das Lumia 800 kann nichts dazu, daher will ich nicht allzu sehr darauf herumreiten.
Software
Seit Kurzem setzt Nokia das Betriebssystem Windows Phone 7.5 (Mango) von Microsoft ein, wie eine Reihe anderer Hersteller auch, so zum Beispiel LG, HTC und Samsung, um nur einige zu nennen. Nokia setzt sich jedoch durch einige eigene Applikationen ab, die dem Gerät wahrlich zu Gute kommen. So gibt es Nokia Maps, Nokia Music und Nokia Drive – eine Navigations-App, die bereits auf dem Gerät vorinstalliert ist.
Zunächst etwas Grundsätzliches, falls Sie sich nicht mit Windows Phone auskennen: Es bietet eine der intuitivsten Bedienoberflächen, die es derzeit für Mobiltelefone gibt. Der Home Screen enthält eine Anzahl von sogenannten anpassbaren Tiles, die Informationen “live” anzeigen können, wenn der Entwickler dies so vorgesehen hat. Mit Wisch nach rechts gelangt man zu einer Liste aller Applikationen, die auf dem Gerät installiert sind.
Microsoft ist nicht gerade großzügig, was individuelle Anpassungen anbelangt, daher muss man sich nicht wie bei Android auf unterschiedliche Bedienoberflächen einstellen. Nokia hat bei seinen Geräten gewisse Freiheiten, aber bislang hat sich der finnische Mobilgerätehersteller nicht allzu weit von den Vorgaben entfernt. Was die Software anbelangt, unterscheidet sich das Lumia 800 lediglich in der kostenlosen Navigation, Music Store und der Karten-App.
Vor einigen Jahren, bevor wir alle Google Maps oder Bing oder eine andere Karten-Software auf unseren Smartphones hatten, gab es Nokia Maps. Ok, es gab auch BlackBerry Maps, aber das war nicht sonderlich leistungsfähig. Nokia Maps war wunderbar und funktionierte gut. Heute funktioniert es noch immer ziemlich gut, auch wenn mir die klare Oberfläche von Google Maps besser gefällt. Eine Suche nach “Bar” in der Umgebung meiner Wohnung in New York zeigte einige Pubs in meiner Nähe, eine Bar, die es schon jahrelang gibt und nur einen Block weit von mir entfernt ist, fand es jedoch nicht. Zoomen funktioniert problemlos und man hat verschiedene Ansichten zur Auswahl, einschließlich Satellitenbild-Darstellung. Insgesamt fand ich die Anwendung besser als Bing, damit scheine ich nie das zu finden, wonach ich suche.
Anders als die meisten Windows Phones bietet das Lumia 800 standardmäßig zwei Möglichkeiten für den Kauf von Musik: den Zune Marketplace von Microsoft und den Nokia Music Store. Mit Nokia Music hat man Zugriff auf seine Musik, kann neue Titel kaufen, örtliche Gigs einsehen und mehr. Im Shop werden zudem die beliebtesten Titel gelistet – eine nette Funktion, die im Microsoft Marketplace fehlt.
Die Gigs-Funktion bei Nokia Music gefiel mir gut. Sie enthält eine Liste örtlicher Konzerte, sortiert nach Datum und inklusive Adresse. Hier hätte Nokia noch weitergehen können und den Kauf von Konzertkarten einbinden oder die Möglichkeit, die Adresse anzutippen für eine Anfahrtsbeschreibung mittels Nokia Drive.
Ich lebe in New York City und besitze kein Auto, aber dennoch gefiel mir Nokia Drive gut. Die Software bietet kostenlose Navigation und Karten können nach Kontinent, Land und Bundesstaat sortiert heruntergeladen werden. Ich habe innerhalb weniger Minuten eine 102 MB-Karte von New York heruntergeladen und genauso einfach kann man weitere herunterladen. Es gibt zudem jede Menge Sprachoptionen. Die Oberfläche ist nicht zu voll und es gibt sowohl 2D- als auch 3D-Ansichten. Wie gut sich Nokia Drive im Vergleich mit Google (meinem derzeitigen Favoriten) schlägt, werde ich erst wissen, wenn ich einmal aus der Stadt herausfahre, aber es ist definitiv eine solide kostenlose Applikation, die andere Windows Phone-Geräte derzeit nicht bieten.
Gesprächsqualität/Daten
Die Gesprächsqualität des Lumia 800 war recht unspektakulär. Die Klangqualität riss mich nicht vom Hocker, aber es gab auch keine größeren Probleme. Das Lumia 800 unterstützt das 3G-Netzwerk von AT&T in den Vereinigten Staaten und mittels des Geschwindigkeitstests unter http://dslreports.com/mspeed erzielte ich mit einer AT&T SIM-Karte rund 700 Kbps. Das ist ziemlich schlecht, wenn man bedenkt, dass die meisten 3G-Smartphones von AT&T leicht über 1 Mbps liegen.
Das Gerät wird standardmäßig mit Kopfhörern samt Mikrofon geliefert. Das funktioniert für Telefonate gut, aber dank eines Tipps von einem Leser fand das BGR-Team eine merkwürdige Sache heraus: Wenn man den Nokia-Kopfhörer anschließt und ein Telefonat tätig, funktioniert das wunderbar. Man kann dann einen beliebigen Kopfhörer eines anderen Herstellers verwenden. Wenn man jedoch von vornherein einen anderen Kopfhörer verwendet, funktioniert es nicht. Man muss also den Kopfhörer von Nokia verwenden oder ein Bluetooth-Modell.
Kamera
Ich hatte mich schon lange auf die Carl Zeiss-Kamera gefreut, die bei den High-End-Modellen von Nokia zum Einsatz kommt, aber die Bildqualität der Aufnahmen mit dem Lumia 800 hat mich nicht überzeugt. Die Aufnahmen waren schärfer, hatten einen wärmeren Weißabgleich und waren farbintensiver als die Aufnahmen mit meinem iPhone 4, aber nur unwesentlich. Ich habe mir vor Kurzem eine recht günstige einfache Digitalkamera gekauft und die übertrifft noch immer jedes Smartphone. Andere Rezensionen kommen immer häufiger zu dem Schluss, dass einfache Point-and-Shoot-Digitalkameras ausgedient haben, aber dem kann ich mich nicht anschließen.
Die Videoeinstellungen sind standardmäßig auf VGA-Auflösung gesetzt, es gibt aber auch eine 720p HD-Option. Aufnahmen mit 720p HD in meiner Wohnung waren nicht berauschend. Die Kamera braucht lange Zeit, um sich an neue Lichtverhältnisse anzupassen und der Auto-Fokus ist ebenso langsam. Anders als viele Android-Smartphones bietet das Lumia 800 keinen HDMI-Ausgang, man kann es also nicht an ein HDTV-Gerät anschließen, um seine Videos anzusehen. Die einzige Möglichkeit, Inhalte vom Gerät zu bekommen ist über ein Wi-Fi oder 3G-Netzwerk, was bei umfangreichem HD-Video nicht optimal ist. Ansonsten bleibt nur, das Gerät an einen Computer anzuschließen, auf dem ein Zune-Client installiert ist. Eine microSD-Karte würde hier wirklich sehr helfen.
Akku
Windows Phone-Geräte bieten normalerweise überdurchschnittlich gute Akkulaufzeit und das Lumia 800 ist hier keine Ausnahme. Ich bekam problemlos einen kompletten Tag aus einem Ladevorgang des 1450 mAh Akkus. Man hat allerdings keinen Zugang zu dem Akku. Wenn man also auf ein Problem stößt, das man üblicherweise durch Entnehmen des Akkus lösen würde, ist dies hier nicht möglich. Das erste Gerät, das ich erhalten hatte, funktionierte nicht richtig und in einigen Fällen hätte es sicherlich geholfen, den Akku zu entnehmen. So musste ich einen Hard Reset vornehmen und letztendlich sogar ein neues Gerät von Nokia anfordern. Es handelte sich hierbei offenbar um ein spezifisches Problem mit dem Gerät, von dem andere sicher nicht betroffen sind.
Fazit
Wie eingangs schon erwähnt, hatte ich mich sehr auf das Lumia 800 gefreut. Ich war sehr gespannt auf die Verbindung von Nokia mit Windows Phone 7.5 – das Betriebssystem, das mich begeistert in Kombination mit der unglaublichen Hardware des finnischen Mobiltelefonherstellers. Das AMOLED-Display gefällt mir, aber es ist nicht so überwältigend wie das Super AMOLED Plus-Display auf Samsung-Geräten. Das Polykarbonat-Gehäuse hat mich nicht wirklich überzeugt (es fühlt sich für mich wie anderes Plastik auch an) und meiner Meinung nach gibt es durchaus einige Schwächen in der Hardware, wie die Abdeckungen für den microUSB-Port und die miniSIM-Karte. Ich weiß, dass ich mit dieser Meinung auf einsamem Posten stehe, vielen Leuten gefällt das Design des Geräts.
Hinsichtlich der Software ist das Gerät fantastisch. Nokia Maps gefällt mir besser als Bing, ich habe Microsoft bereits mitgeteilt, dass es für meine Zwecke nie funktioniert. Windows Phone 7.5 ist großartig und effizient, es fehlen nur noch einige tolle Apps. Die Kamera des Lumia 800 hat mich nicht so überzeugt, wie ich es gehofft hatte, aber sie war zufriedenstellend und besser als die Kamera auf meinem iPhone 4.
Was die Datenübertragung anbelangt, lässt das Lumia 800 noch so einiges zu wünschen übrig. Gerüchten zufolge arbeitet Nokia allerdings mit AT&T an einem 4G LTE-Gerät, das während der CES im Januar vorgestellt werden könnte. Bis dahin rate ich Windows Phone-Fans in den USA dazu, sich das HTC Titan, das Samsung Focus S oder das Samsung Focus Flash anzusehen, die mit Vertrag sehr viel günstiger sind. Wenn der Preis Sie nicht abschreckt, sollte das Lumia 800 auf Ihrer Liste ganz oben stehen. Und wenn Nokia ein Windows Phone-Gerät bei einem US-Betreiber mit schnellerer Datenübertragung, einem Aluminium-Gehäuse und vielleicht einer gewissen Farb-Auswahl herausbringt, dann werde ich mich auch auf dieses Gerät wieder sehr freuen.



















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Kann man damit auch kochen? Sieht goil aus. Ist wahrscheinlich maximal cool
Ein blitzsauberer Kommentar…meine Erfahrungen: 100 % deckungsgleich…vom Akku angefangen bis hin zum Austauschgerät aus Tschechien…nach 3 Wochen…