Test: Das Kindle Fire von Amazon
Seit im November 2007 der erste Kindle eReader auf den Markt kam, ist Amazon führend in der Sparte der eReader. Damals hatte der Kindle ein 6-Zoll-E-Ink-Display, das lediglich vier Graustufen unterstützte, es gab 250 MB Speicher für rund 200 eBooks und der Preis betrug 399 US-Dollar (umgerechnet knapp 300 Euro). In den ersten sechs Monaten war das Gerät ständig ausverkauft, es war ein echter Verkaufsschlager.
Inzwischen ist der Kindle dünner und leichter geworden und das aktuelle Modell verfügt über ein stark verbessertes E-Ink-Pearl-Display und 2 GB Speicher. Der Preis liegt inzwischen bei 79 US-Dollar (umgerechnet knapp 60 Euro). Ein zweites Modell mit Touchscreen und der doppelten Speichergröße ist ab 99 US-Dollar zu haben (umgerechnet ca. 74 Euro) und mit einem Ladevorgang hält das Gerät bis zu zwei Monate lang durch. Amazon veröffentlicht keine Verkaufszahlen zu den Kindle-Geräten, ist aber wohl einer der größten eReader-Hersteller weltweit und wechselt zusammen mit Barnes & Noble zwischen den Plätzen 1 und 2.
Aber mit eReadern kommt man nur bedingt weit.
Amazon ist bereits seit einiger Zeit führend im Bereich Online-Handel und die Serie der Kindle eReader ist der erste Vorstoß des Unternehmens in die Hardware-Sparte. eBooks sind ein wichtiges Geschäft für Amazon, aber auch die neuen Dienste haben stark zugelegt. Mit neuen Möglichkeiten zum Kauf und Abspielen von Musik und Filmen mussten sich Kunden bislang auf andere Geräte verlassen – Computer, vernetzte TV-Geräte, Set Top Boxen und Smartphones – um die neue Welle an Inhalten von Amazon zu konsumieren. Warum nicht alles auf einem einzigen Amazon-Gerät zugänglich machen und das fortführen, was mit dem Kindle begonnen wurde?
Der Tablet-Markt stellt eine großartige Möglichkeit für Amazon dar. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann zuletzt so viel Wirbel um eine bestimmte Sparte gemacht wurde und es dennoch so wenige Erfolgsgeschichten gab. Amazon hat eine Möglichkeit zum Erfolg ausfindig gemacht, an der andere versagten. Anstatt lediglich die Hardware zu bauen und dann die gleiche Hardware anzubieten, mit der bereits diverse andere Anbieter gescheitert sind, erschafft Amazon eine Komplettlösung, die Hardware, Software und Inhalte umfasst. Der einzige Hersteller, dessen Tablet diese drei wichtigen Bereich abdeckt, ist seit Anfang 2010 mit seinem Produkt schließlich durchaus erfolgreich.
Anstatt einen iPad-Killer zu kreieren, machte sich Amazon daran, ein Kindle Fire zu kreieren.
Die Bezeichnung “iPad-Killer” scheint alle Tablets von namhaften Herstellern zu beschreiben, die ihr Produkt offenbar nicht vermarkten können, ohne sich in irgendeiner Weise mit dem iPad zu vergleichen. Dies scheint die einzige Verbindung zwischen all den Geräten zu sein, die bislang zum iPad-Killer ernannt wurden. Was all diese Tablets ansonsten noch gemein haben, ist die Tatsache, dass sie sich nicht sonderlich gut verkaufen. Es gab ein paar wenige bemerkenswerte Ausnahmen, aber allgemein wurden diese Tablets von Endverbrauchern oder Unternehmen nicht allzu gut angenommen.
Wenn ein iPad-Killer ein Tablet ist, das in der Masse untergeht und sich nicht sonderlich gut verkauft, dann ist das Kindle Fire definitiv kein iPad-Killer.
Vor dem Kindle Fire von Amazon waren die meisten Media Tablets unausgegoren und ganz offenbar voreilig auf den Markt gebracht worden, um sich einen Marktanteil zu sichern, nachdem das iPad einen solchen Hype ausgelöst hatte. Diese Strategie ist nicht ungewöhnlich in der Geschäftswelt, aber in diesem Fall vergaßen die Unternehmen einen wichtigen Punkt: Differenzierung. Mit einem hohen Preis, ähnlicher Hardware und schwacher Software der ersten Generation (Honeycomb war der erste Versuch von Google für ein Tablet-Betriebssystem) boten die meisten Konkurrenz-Produkte zum iPad nur wenig, um sich in positiver Weise vom iPad abzusetzen.
Das Kindle Fire ist hier von anderem Kaliber.
Amazon griff den Markt gleich an zwei Fronten an. Zunächst einmal bietet man Differenzierung. Als Betriebssystem kommt zwar Android von Google zum Einsatz, aber wenn man es nicht wüsste, würde man es nicht erkennen. Amazon setzt die Open Source-Software als Gerüst ein und entwickelte seine eigene einzigartige Bedienoberfläche. Die Entwicklung der Plattform wird unabhängig von künftigen Versionen von Google fortgeführt werden und existiert eigenständig. Amazon hat einen eigenen App Store und verschiedene Dienste.
Das zweite Teil zum Kindle Fire-Puzzle ist der Preis. Mit 199 US-Dollar (umgerechnet ca. 148 Euro) ist das Tablet von Amazon 300 US-Dollar (umgerechnet ca. 224 Euro) günstiger als das iPad-Einsteigermodell und 630 US-Dollar (umgerechnet ca. 470 Euro) günstiger als das 64 GB-Modell mit 3G. Das ist eine sehr clevere Entscheidung von Amazon. Das Unternehmen wird in der Zukunft auch teurere Modell herausbringen (BGR berichtete exklusiv erste Details zu einem 10 Zoll Modell, das im nächsten Jahr erscheinen soll), aber zunächst zielt Amazon auf diesen niedrigen Preis ab und kreiert damit einen neuen Bereich im Tablet-Markt. Man konkurriert nicht mit dem iPad, sondern schafft etwas völlig anderes.
Ich habe zahlreiche Rezensionen zum Kindle Fire gelesen, die das Tablet von Amazon detailreich mit dem iPad verglichen. Das war teilweise interessant zu lesen, vor allem die Überschriften, aber es war nicht hilfreich. Beide Geräte sind Tablets, ja, aber eines mit dem anderen gleichzusetzen ist in etwa so hilfreich, wie einen Mercedes S-Klasse mit einem Hyundai Sonata zu vergleichen. Beide Gefährte können Sie von A nach B befördern, aber sie haben eigentlich völlig unterschiedliche Einsatzzwecke.
Die S-Klasse wurde entwickelt, um bestimmte Kunden anzusprechen. Sie bietet Nutzen, Luxus und ein Fahrerlebnis, das das Ergebnis von jahrzehntelanger Entwicklung und Millionen und Abermillionen an Forschung und Entwicklung darstellt. Die S-Klasse wurde entwickelt, um gesehen zu werden. Sie übertrifft einen Großteil der Konkurrenz, aber es geht dabei nicht nur um Funktion, sondern auch um die Form. Sie besteht aus hochwertigen Einzelteilen und Materialien und entsprechend hoch ist der Preis. Man sieht sie überall und zuhauf, aber wenn sich Ihr Einkommen in einem durchschnittlichen Rahmen bewegt, werden Sie sich wohl selbst keine leisten können.
Der Sonata wurde entwickelt, um einen leistungsfähigen Mittelklassewagen für die Massen erschwinglich zu machen. Er sieht definierter aus und ist leistungsfähiger als viele andere Autos in seiner Preisklasse und bietet zudem einige Funktionen, die Modelle der Konkurrenz nicht bieten. Und dennoch versucht er nicht, eine S-Klasse zu sein und er versucht mit Sicherheit nicht, der S-Klasse Konkurrenz zu machen.
Der Sonata ist nicht ganz so elegant und ausgeklügelt wie der Mercedes und besitzt nicht annähernd so viele Ausstattungsmerkmale. Auch das Innenleben ist schlichter und statt Leder und Holz gibt es günstigere Materialien. Er beschleunigt nicht so schnell, nimmt die Kurven nicht ganz so sicher und sicherlich drehen sich nicht so viele Leute nach ihm um. Er bietet jedoch ein großartiges Preis-Leistungsverhältnis und Verarbeitung und Ausstattung sind für den günstigen Preis wirklich beachtlich.
Nachdem ich das Kindle Fire nun für ungefähr eineinhalb Wochen getestet habe, glaube ich, dass es dort erfolgreich sein wird, wo andere versagten. Die Hardware ist gut, aber nicht großartig. Die Soft-Touch-Materialien fühlen sich gut an in der Hand, aber der 4400 mAh Akku macht sich bemerkbar und es ist zu schwer, um es über längere Zeit zum Lesen in der Hand zu halten, ohne es abzulegen. Die Bedienoberfläche ist angenehm und unkompliziert und macht das Navigieren einfach, aber auch ein wenig langweilig. Die Leistung ist gut, aber nicht überragend. Viele Funktionen laufen flüssig ab, wie beispielsweise Spiele und das Abspielen von Videos. Beim Öffnen von bestimmten Apps und Durchführen anderer Funktionen stockt das Gerät jedoch häufig.
Für 200 US-Dollar ist das Kindle Fire eine großartige Anschaffung. Es ist intuitiv und leistungsstark und die Integration mit den Amazon-Diensten gelungen. Der Home Screen ist in vier Bereiche unterteilt: eine Statusanzeige oben, in der Benachrichtigungen, Uhrzeit, Wi-Fi-Status und Akkustand angezeigt werden und auch der Zugang zu den Einstellungen ist hierüber möglich; ein Menü-Bereich, mit dem man zwischen unterschiedlichen Funktionen wie dem Book Reader, Music Player, App-Menü und Video Player navigieren kann; ein großer Bereich, der Apps und Bücher Cover-artig anzeigt; und einen Favoriten-Bereich, in den man seine Lieblings-Apps und –Bücher platzieren kann.
Jede integrierte App – Bücher, Musik, Video usw. – ist in zwei Abschnitte aufgeteilt, zwischen denen man oben am Display auswählen kann. Die erste ist “Cloud”, diese zeigt eine Liste der Icons auf den Regalen darunter, die die Inhalte des Nutzers auf den Amazon-Servern symbolisieren. Die zweite ist “Gerät” und zeigt lokal gespeicherte Inhalte. Oben rechts in der Ecke befindet sich zudem immer ein Link zum Amazon Store. Das Kindle Fire verleitet schnell zum Geld ausgeben, aber ich finde es faszinierend, wie gut die Dienste von Amazon in die einzelnen Apps integriert sind.
Von der Startseite der Books App aus kann man mit einem einzelnen Tap auf einen Icon das Buch seiner Wahl öffnen, und ein Tap auf den Store Link ermöglicht das Durchsuchen und Kaufen. Die Music App listet alle Inhalte, die zum Abspielen bereitstehen, und ein weiterer Link bringt den Nutzer zum Amazon Music Shop, von wo aus man ganze Alben oder einzelne Titel kaufen kann. Die Video-App funktioniert ähnlich, bietet zudem allerdings auch eine Integration mit Amazon Prime Video Streaming, einem Dienst ähnlich Netflix, mit dem man Filme und TV-Shows ansehen kann. Man findet hier zwar nicht alle neuen Kinohits, aber die Auswahl ist akzeptabel.
Die App-Seite präsentiert sich im gleichen intuitiven Format. Die Apps sind auf Regalen angeordnet und rechts oben findet sich ein Link zum Amazon App Store. Man hat keinen Zugang zu dem gesamten Inhalt von Googles Android Marketplace, aber das ist nicht unbedingt schlecht. Wie Apples iOS App Store enthält auch der Marketplace viel Unnützes. Hier ist der Ansatz von Amazon begrüßenswert und es ist ausreichend Inhalt von guter Qualität vorhanden. Großartig finde ich zudem, dass Amazon täglich eine neue kostenpflichtige App kostenlos anbietet. Man schaut so täglich im App Store vorbei, was dem App Store langfristig zugute kommt.
Der Browser ist ein weiterer Pluspunkt auf dem Kindle Fire. Silk ist beeindruckend schnell, was daran liegt, dass die Software teilweise auf Remote-Server ausgelagert ist. Entsprechend laden Seiten mit großen Inhalten etwas länger, aber bei den Cloud-basierten Seiten geht es sehr viel schneller zu als bei vergleichbaren Geräten.
Das Kindle Fire ist kein iPad-Killer. Es killt eigentlich gar nichts. Es bietet dem Nutzer jedoch eine solide Leistung und einen umfassenden Katalog an Diensten, der es leicht macht, auf bestehende Inhalte zuzugreifen und neue Inhalte zu finden. Es ist sehr einfach in der Anwendung, und das lässt sich nicht über jedes Tablet sagen. Ein Kind würde sich sicherlich im Handumdrehen zurechtfinden und auch dessen Großeltern bräuchten nicht lange, um mit dem Gerät zurechtzukommen. Das Gerät läuft im Großen und Ganzen problemlos; wer sich das 200 Dollar-teure Gerät zulegt, sollte sich aber darauf einstellen, dass es bei der ersten Generation der Geräte hier und da gewisse Hänger geben wird. Aber jeder Computer, jedes Smartphone und Tablet kommt gelegentlich ins Stottern, das ist kein Drama.
Amazon hat sich mit dem Kindle Fire Zeit gelassen, und das merkt man. Es bleibt noch viel Raum für Verbesserungen, aber dieses Tablet der ersten Generation ist intuitiv, funktional und so schlüssig wie preisgünstig. Es wurde als Verbindung zu all den web-basierten Diensten entwickelt, die Amazon inzwischen anbietet und die Mission ist geglückt. Es ist kein iPad-Killer, aber die Medien werden sicher bald neue iPad-Killer ausfindig machen. Bis dahin ist das Kindle Fire der klare Gewinner, der sich mit Sicherheit eine ganze Zeit lang in der Bestseller-Liste von Amazon tummeln wird.



















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Schön das die Amis das Spielzeug so billig bekommen, in good old Germany zahlt man seltsamerweise fast das doppelte. Dabei wurde in der hiesigen Presse schon gemutmaßt, das Amazon die Geräte hierzulande zum Selbstkostenpreis verkauft. Weit gefehlt, anscheinend mit mehr als 100% Gewinn.
wo hast du denn die preise fuer den fire her? der “alte” kindle steht noch immer mit 99 eus oder mit 109 dollar auf den entsprechenden seiten …
Würde sofort so ein Teil kaufen, wenn ich z. B. Bücher aus der Bücherei darauf laden könnte.
Wenn ich es richtig verstehe, hat man ja an den gekauften Titeln keinerlei Rechte. Ich kann an gelesenes Buch nicht verkaufen oder weitergeben. Ich MUSS Titel kaufen und habe keinerlei Rechte dazu erworben. Daher ist so ein Teil für mich total uninteressant, ist auf die Dauer ja viel teurer als normale Bücher.
Sorry, da muss sich noch viel ändern, ehe ich so ein Teil kaufe!!!!
Was willste mit dem scheissteil? Hol dir n iPad und gut is du vogel.
ey geil, Alter
“Was willste mit dem scheissteil? Hol dir n iPad und gut is du vogel.” Na da merkt man doch gleich wessen geistes Kind die Nutzer der völlig überteuerten …i… Geräte sind
)
Weil ein Ipad wie die anderen Apple Produkte alles überteuerter Schott sind.
Eine Frage, wenn ich das richtig gelesen habe, erwerbe ich ein Buch über Kindle… und anschließend gehört es mir nicht!?!? Ist das Rechtens. Ich habe doch für ein Buch bezahlt und sollte man meinen, dass ich damit alles machen kann was ich will oder?
Falls das wirklich richtig sein soll, dann weiß ich nicht für das Gerät gut sein soll. Jedes mal wenn ich das Buch anschauen will, muss ich zahlen? Speichern geht wohl auch, aber ansonsten kann ich mit dem erkauften Buch nichts anfangen. Verschenken kann ich es wohl dann auch nicht? Was für eine Geschichte.
Da werde ich wohl das Ding doch nicht kaufen, wenn man seine Produkte, die man gekauft hat doch nicht besitzt.
Nein, das hast du falsch verstanden.
Wenn du dir das Buch einmal gekauft hast kannst du es jederzeit lesen.
Es ist in deiner Cloud und/oder auf dem kindle verfügbar.
Was ich als großen Nachteil empfinde ist, das du die gekauften Bücher nicht weiterverkaufen oder verschenken kannst.
Und ich leihe mir gerne Bücher und verschenke auch gerne mal eins was ich gelesen habe und überhaupt.
Das ist derzeit nicht möglich.
Allerdings kann wohl zwei oder mehr geräte in seiner cloud registrieren, so das man mit mehreren einen account teilen könnte, so man jemanden hat, der den gleichen büchergeschmack hat.
ähhm…ja apple ist zwar teurer als die anderen hersteller aber dafür der erfinder und baut mit 1000% sicherheit bessere teile ein als andere hersteller…habe selber ein samsung smartphone und htc gehabt aber apple ist da nen tick besser in “allem” außer nen paar kleinigkeiten wegen rechte und so das man z.B. nichts verändern kann von der betriebssoftware wie z.b. bei samsung ganz einfach ist aber dafür hat samsung auch tausende von kaputten oder fehlerhaften smartphones!und da ist man bei apple auf der sicheren seite..da geht nichts so schnell hinüber weil da keiner groß dran rumfummeln kann! aber naja jedem dem seine…aber würde immer erst ausprobieren bevor man hier einfach schreibt teurer schrott….samsung war und ist billiger schrott für die allgemeinheit!früher die röhrenfernseher von samsung waren die besten aber mitlerweile so nich ganz schlecht aber auch nich gut!so halt für alle die nich viel geld haben quasi!